Drei Endpunkte, derselbe Vergleich

Cochrane 2022: Aufhören gegenüber Weiterrauchen nach KHK. HRs sind keine persönlichen absoluten Risiken; Klammern: 95%-Konfidenzintervalle.

EndpunktGepoolte HR (95%-KI)Wichtiger Kontext
Kardiovaskulärer Tod0,61 (0,49–0,75)Moderate Sicherheit; nicht Gesamtsterblichkeit
MACE0,57 (0,45–0,71)Geringe Sicherheit; kombiniert, einschließlich kardiovaskulären Todes
Tod jeder Ursache0,60 (0,55–0,66)Sekundärer Review-Endpunkt; auch nicht kardiovaskuläre Ursachen

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Keine Zeitleiste für einen ersten Herzinfarkt

Verglichen werden Menschen mit bereits diagnostizierter KHK, die zunächst rauchten: später Aufhörende und Weiterrauchende. Es ist kein Vergleich zwischen einer Person nach Herzinfarkt und einem lebenslangen Nichtraucher ohne Herzerkrankung. Die allgemeine Aussage über sinkendes Risiko nach einem rauchfreien Jahr benennt deshalb kein Datum, an dem eine bestehende KHK verschwindet.

Gesamtsterblichkeit erfasst Todesfälle jeder Ursache; kardiovaskuläre Sterblichkeit diejenigen durch Herz- oder Gefäßerkrankungen. Ein kombinierter Endpunkt kann tödliche und nicht tödliche Ereignisse enthalten. Weniger Ereignisse in einer Gruppe belegen weder das Verschwinden einer Angina noch normale Bildgebung oder ein Ende der Nachsorge.

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Die Cochrane-Auswertung folgte dem späteren Rauchstatus

Der Cochrane Review von 2022 umfasste 68 Studien mit 80.702 Teilnehmenden; gesucht wurde bis 15. April 2021. Erwachsene mit KHK rauchten bei Diagnose oder Studienbeginn und wurden mindestens sechs Monate nachbeobachtet. Auch Daten aus randomisierten Studien wurden als Kohorten von Aufhörenden und Weiterrauchenden ausgewertet. Niemand wurde für diesen Vergleich zufällig zum Weiterrauchen verpflichtet.

Die Schätzung für kardiovaskuläre Todesfälle hat moderate, die für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) geringe Evidenzsicherheit. Der Review definierte MACE als kardiovaskulären Tod, nicht tödlichen Herzinfarkt und nicht tödlichen Schlaganfall; einzelne Studien nutzten abweichende Definitionen. Ausgangsschwere, weitere präventive Behandlung und Unterschiede zwischen den Gruppen erschweren die genaue Größenbestimmung. Ein grundsätzlich belegter Nutzen macht nicht jede Einzelzahl gleich präzise.

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Eine Hazard Ratio ist keine eigene Sterbewahrscheinlichkeit

Die gepoolten Hazard Ratios (HR) in der Tabelle vergleichen jeweils Aufhörende mit Weiterrauchenden nach KHK-Diagnose. Sie vergleichen während der Beobachtung die Geschwindigkeit, mit der ein Ereignis bei Menschen eintritt, die es noch nicht erlebt haben; nicht den bis zum Ende insgesamt betroffenen Anteil. Unter 1 bedeutet eine niedrigere Ereignisrate in der Gruppe, die aufgehört hat. 0,61 ist weder eine persönliche Sterbewahrscheinlichkeit von 61 % noch eine Abnahme um 39 Prozentpunkte.

Beobachtungsdauer und untersuchte Menschen unterschieden sich. Mindestens sechs Monate ist ein Einschlusskriterium, keine Erholungsfrist. Kardiovaskulären Tod und MACE darf man nicht addieren: Ein Todesfall kann bereits im kombinierten Endpunkt enthalten sein. Es sind unterschiedliche Zählweisen, keine addierbaren Gesundheitsgewinne.

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Unterstützung in die bestehende Versorgung einbinden

Eine geeignete Frage beim Termin lautet: ‘Wie lässt sich Unterstützung beim Rauchstopp in meine KHK-Nachsorge einbinden?’ Die aktuelle KHK-Leitlinie verankert Rauchstopp-Unterstützung in der Versorgung. Gruppenergebnisse erlauben weder Änderungen an Herzmedikamenten noch die Wahl eines Entwöhnungsmittels oder die Festlegung von Belastungsgrenzen. Besprechen Sie neue oder veränderte Beschwerden mit dem zuständigen Behandlungsteam, statt sie wegen eines Rauchstopp-Meilensteins als erledigt anzusehen; diese Seite beurteilt keine Beschwerden und stellt keine Diagnose.

In Deutschland bietet die Telefonberatung des BIÖG Unterstützung und Informationen zu weiteren Angeboten. Zugang und Bedingungen dort erfragen und das kardiologische Team über die Unterstützung informieren. Hier müssen keine Diagnose, Medikamentenliste oder Aufhördaten eingegeben werden. Forschungsergebnis und individueller Behandlungsplan bleiben getrennt.

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Das Wichtigste

  • Eine KHK-Diagnose macht Aufhören nicht sinnlos.
  • Aufhören versus Weiterrauchen bedeutet nicht Rückkehr zur Nichtraucher-Baseline.
  • Rauchstopp-Unterstützung ergänzt die KHK-Versorgung, ersetzt sie nicht.

Quellen

Die zentralen Aussagen dieser Seite wurden anhand der folgenden Quellen geprüft.

  1. U.S. Department of Health and Human Services: Smoking Cessation (2020), Chapter 4: Smoking cessation after a diagnosis of coronary heart disease

    Quellen geprüft: 2026-10-08

  2. Cochrane: Wu et al. (2022), Smoking cessation for secondary prevention of cardiovascular disease, CD014936; search to April 15, 2021

    Quellen geprüft: 2026-10-08

  3. American Heart Association / American College of Cardiology: 2023 AHA/ACC Guideline for the Management of Patients With Chronic Coronary Disease, section 4.2.3 Tobacco Products

    Quellen geprüft: 2026-10-08

  4. NHS: Heart attack: clinical assessment and limits of self-diagnosis

    Quellen geprüft: 2026-10-08

  5. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Telefonberatung zum Rauchstopp

    Quellen geprüft: 2026-10-08

Allgemeine Bevölkerungsevidenz, keine persönliche Prognose, Symptomdiagnose, Arzneiempfehlung, Eingriffsentscheidung oder Belastungsfreigabe.